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Gesellschaft Schauspielerin Ruby O. Fee

„Als Jugendliche habe ich mich für manches geschämt“

Im Kurzfilm „I am not your baby“ spielt Schauspielerin Ruby O. Fee ihre eigene Mutter Im Kurzfilm „I am not your baby“ spielt Schauspielerin Ruby O. Fee ihre eigene Mutter
Im Kurzfilm „I am not your baby“ spielt Schauspielerin Ruby O. Fee ihre eigene Mutter
Quelle: youtube.com/@Netflixdach
Mit 14 spielte Ruby O. Fee erstmals eine Hauptrolle, mittlerweile ist die 26 Jahre alte Schauspielerin auch international gefragt. Ein Gespräch über Scham und die Suche nach dem Selbst.

Costa Rica, Brasilien, Indien – ihre Kindheit verbrachte Ruby O. Fee an unterschiedlichen Orten, erst mit 12 Jahren zog sie nach Berlin. Kurz darauf begann sie die Schauspielerei. Das neue Hobby sollte Abwechslung in ihren Alltag bringen, doch schon zwei Jahre später war sie zum ersten Mal auf einer Kinoleinwand zu sehen. Es folgten Rollen in Serien und Filmen wie „Allein gegen die Zeit“, „Tatort“, „Die Unsichtbaren“ und zuletzt im internationalen Netflix-Thriller „Army of Thieves“, für den sie gemeinsam mit ihrem Partner Matthias Schweighöfer vor der Kamera stand.

Für die YouTube-Portraitreihe „I am (…)“ erzählt sie nun ihre persönliche Geschichte in Form eines Kurzfilms: In „I am not your baby“ führt die 26-Jährige durch die Höhepunkte, aber auch die Schattenseiten ihres Lebens.

ICONIST: Im Kurzfilm „I am not your baby“ erzählen Sie Ihrem jüngeren Ich von der Zukunft – wovor hätten Sie sich selbst gerne gewarnt?

Ruby O. Fee: Ehrlicherweise vor gar nichts. Ich habe das Gefühl, dass mich alles, was mir passiert ist – egal, ob gut oder schlecht – dorthin gebracht hat, wo ich heute bin. Selbst die negativen Dinge haben mich stärker gemacht und mich in einem anderen Moment davor bewahrt, verletzt zu werden.

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ICONIST: Welche Momente haben Sie besonders geprägt?

Ruby O. Fee: Das Reisen und Umziehen während meiner Kindheit. Dadurch, dass ich schon als Kind viel unterwegs war, habe ich früh gelernt, loszulassen und zu akzeptieren, dass es weitergeht. Wenn ich einen Ort verlasse, erlaube ich mir, zu trauern, aber ich gehe trotzdem mit einem guten Gefühl. Denn Abschiede haben für mich immer etwas sehr Positives. Sie sind ein Neuanfang, dadurch kann ich die Vergangenheit mehr wertschätzen.

ICONIST: Ihr Kurzfilm handelt auch von einer Identitätssuche. Haben Sie sich mittlerweile selbst gefunden?

Ruby O. Fee: Nein. Ich glaube aber auch, dass Selbstfindung nie etwas Endgültiges ist, man findet sich immer wieder neu. Auch, wenn man manchmal diesen Aha-Moment hat. Oft kommt kurz darauf schon wieder die nächste Hürde. Ich glaube, man sollte auch nicht stagnieren.

ICONIST: Wie würden Sie sich heute beschreiben?

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Ruby O. Fee: Ich lerne gerade, wieder Kind zu sein.

ICONIST: Was bedeutet das?

Ruby O. Fee: Als Jugendliche habe ich mich für manche Dinge geschämt und sie versteckt. Dazu zählen auch Äußerlichkeiten wie dünne Haare oder schiefe Zähne. Ich lerne gerade, all das zuzulassen. In meinem Beruf ist die Fassade natürlich stärker ausgeprägt: Man trägt aufgeklebte Wimpern, Make-up und Extensions. Für mich ist das nichts Negatives, aber ich lerne eben auch, meine andere Seite nicht mehr wegzuschieben.

Ruby O. Fee lernt, wieder Kind zu sein
Ruby O. Fee lernt, wieder Kind zu sein
Quelle: Alex Waltl

ICONIST: Was hat Ihnen dabei geholfen?

Ruby O. Fee: Früher war es mir unangenehm, wenn mich Menschen auf meine vermeintlichen Schwächen angesprochen haben. Ich fühlte mich ertappt und war peinlich berührt. Mittlerweile nehme ich es den Leuten vorweg und spreche es direkt an. Übrigens, ohne mich dafür zu entschuldigen. Das hat mir eine große Freiheit gegeben.

ICONIST: Haben Sie ein Beispiel?

Ruby O. Fee: Ich bin in verschiedenen Ländern und damit auch mit verschiedenen Sprachen aufgewachsen. Dadurch hatte ich keine sprachliche Kontinuität und habe mich unwohl gefühlt, wenn ich vor anderen Menschen vorlesen musste. Das hat mich lange heruntergezogen. Beim Drehen war es meist besser, weil ich die Texte heimlich zu Hause lesen konnte. Wenn wir aber Drehbuchproben hatten, habe ich meine Stellen oft 50-mal durchgelesen, damit ich mich nicht verhaspel. Das hat Stress in mir ausgelöst, weil ich wusste, dass andere komisch gucken werden. Heute gehe ich in einen Raum und erzähle direkt von meinen vermeintlichen Schwächen. Dadurch ist all der Druck weg.

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ICONIST: Sie wurden in Costa Rica geboren, lebten dann in Brasilien und zogen noch im Kindesalter nach Berlin. Was macht das mit einem, wenn man noch so jung ist?

Ruby O. Fee: Ich kannte es nicht anders. Allerdings habe ich dadurch ein großes Freiheitsgefühl entwickelt. Ich habe so oft über den Tellerrand geschaut und bin immer den Schritt gegangen, etwas Neues zu entdecken, sodass ich auch jetzt den Drang verspüre, ständig mehr von der Welt zu sehen und vieles auszuprobieren.

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ICONIST: Haben Sie sich auch deshalb gegen einen klassischen Job und für die Schauspielerei entschieden?

Ruby O. Fee: Als wir nach Berlin gezogen sind, hatte ich plötzlich einen Alltag, den ich so zuvor nicht kannte, weil ich sonst immer unterwegs war. Es war immer dasselbe: aufstehen, essen, Schule, schlafen. Ich bin durchgedreht. Deshalb habe ich vieles ausprobiert, um noch eine andere Beschäftigung zu finden. Letztlich bin ich beim Schauspiel gelandet und auch dabei geblieben. Man ist immer in einer anderen Welt, wenn man in Filmen und Serien mitspielt. Das hat mir geholfen, meine Schulzeit zu überstehen.

ICONIST: Im Kurzfilm bringen Sie sich selbst auf die Welt und sind im Verlauf Ihre eigene Mutter. Warum haben Sie ausgerechnet diese Perspektive gewählt?

Ruby O. Fee: Einerseits geht es um die Abhängigkeit, denn als Kind ist man nun einmal von den Eltern abhängig. Das habe ich besonders dadurch gemerkt, dass wir so viel gereist sind. Wenn man in einer Stadt wohnt, hat man die Adresse des Zuhauses, die man immer nennen kann, wenn man die Eltern mal verlieren sollte. Wenn man aber in Indien auf einem Markt steht und dann die Mutter verliert, weiß man nicht, was man machen soll. Das hat mich so sehr geprägt, dass ich gelernt habe, eine Sicherheit in mir selbst und nicht bei jemand anderem zu suchen. Egal, wo ich bin und egal, was ich mache, ich kann immer ein Zuhause in mir kreieren. Das gibt mir Halt.

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ICONIST: Das klingt aber auch anstrengend.

Ruby O. Fee: Über den Punkt bin ich schon hinweg. Ich brauche niemanden, um mich auszuruhen. Ich bin keine Einzelgängerin, aber ich erwarte auch nicht, dass jemand für mich verantwortlich ist. Das gibt Freundschaften und Beziehungen mehr Gelassenheit. Und dann kann ich auch mal loslassen.

ICONIST: Was tun Sie für Ihre mentale Gesundheit?

Ruby O. Fee: Es ist gut, mal in ein Loch zu fallen. Gefühle sollte man auch nicht wegdrängen. Ich sage mir immer, dass ich wütend oder traurig sein darf, setze mir aber auch zeitliche Grenzen. Meist brauche ich dann meine drei Tage, in denen ich allein zu Hause bin und mich um mich selbst kümmere. Da lasse ich mich so richtig gehen und melde mich bei niemandem. Nach dem zweiten Tag habe ich den ganzen Druck meist ausgelebt. Danach spüre ich auch wieder die Energie und dass mir das Chaos zu viel wird. Ich fange an, alles aufzuräumen und gehe lange baden. Es ist ein inneres und äußeres Aufräumen. Ich gehe allein ins Museum, ins Kino oder ins Restaurant. Es ist ein gutes Gefühl, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Eine Expertin kennt auch die Nachteile des Verhaltens

ICONIST: Von welchen Ereignissen würden Sie Ihrem jetzigen Ich gerne erzählen, wenn Sie „I am not your baby“ in zehn Jahren noch einmal drehen würden?

Ruby O. Fee: Natürlich hoffe ich, dass ich erzählen kann, dass ich mental und physisch gesund bin und alle Leute, die ich liebe, noch da sind. Ich wünsche mir aber auch, noch einige Menschen, die mich inspirieren, zu treffen. Beruflich würde ich mir wünschen, dass ich auf die ersten Projekte meiner Produktionsfirma zurückschauen kann. Dort möchte ich Filme machen, die keine Wegwerfprodukte sind und Frauen stärken, um mit Stereotypen in der Filmbranche zu brechen.

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