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Wegen des Russland-Makels – Plötzlich meiden Investoren deutsche Gründer

Redakteur Wirtschaft & Innovation
Berlin rutscht im Ranking der europäischen Start-up-Metropolen ab – auf Platz drei Berlin rutscht im Ranking der europäischen Start-up-Metropolen ab – auf Platz drei
Berlin rutscht im Ranking der europäischen Start-up-Metropolen ab – auf Platz drei
Quelle: Getty Images/Harald Nachtmann
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In keinem anderen europäischen Land ist die Summe des in Start-ups investierten Kapitals im letzten Jahr so stark zurückgegangen wie in Deutschland. Andere europäische Länder haben sogar mehr Wagniskapital eingesammelt als zuvor. Deutschland droht den Anschluss zu verlieren.

Eine deutsche Erfolgsfahrt gerät ins Schlingern: der Aufbau einer starken Gründerszene. In keinem anderen größeren europäischen Land ist die Summe des in Start-ups investierten Kapitals im laufenden Jahr so stark zurückgegangen wie in Deutschland.

Der Geldfluss ist fast um die Hälfte eingebrochen, genauer um 43 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Das zeigt eine Studie des Londoner Investors Atomico.

Die Hauptursache für die Skepsis der amerikanischen Investoren ist der Ukraine-Krieg. „Meine US-Kollegen sehen, dass Deutschland nicht nur geografisch Nahe an Russland liegt, sondern auch wirtschaftlich eng verflochten war“, sagt Damian Polok, Berliner Bürochef der Silicon Valley Bank.

Im wichtigsten europäischen Start-up-Markt, Großbritannien, lag der Rückgang nur bei 22 Prozent. Französische Gründer sammelten sogar 18 Prozent mehr Geld ein. Paris schiebt sich auch dank starker staatlicher Förderung im Metropolen-Ranking vor Berlin auf Platz zwei hinter London.

„Um nicht weiter den Anschluss zu verlieren, müssen wir handeln“, fordert der Geschäftsführer des Start-up-Verbands, Christoph Stresing. So müsse die Bundesregierung Altersvorsorge-Gelder für Risikokapitalgeber zugänglich machen.

„Es ist derzeit sehr schwierig, US-Investoren für Risikokapital in Europa zu begeistern“, bestätigt Oliver Holle, Chef des europäischen Gründerfinanzierers Speedinvest. So schrumpfen auch in Gesamteuropa die Investitionen in die Gründerszene – allerdings weniger stark als in Deutschland. Die Kennzahl dürfte von 103,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf 84,5 Milliarden Euro sinken, damit ist sie allerdings mehr als doppelt so hoch wie 2019 und 2020.

Rückgang muss kein Krisensignal sein

Das begünstigt die Interpretation, dass der Rückgang der Investitionen europaweit kein Krisensignal ist, sondern eine Korrektur von Übertreibungen im Boomjahr 2021. „Die Konsolidierung wird wehtun – aber es wird eine gesunde Bereinigung“, rechnet Holle mit Übernahmen und Pleiten.

Vor allem solche Start-ups, die 2021 sehr große Finanzierungsrunden erhalten haben, kämpfen damit, die hohen Bewertungen zu erhalten. So soll der Schnelllieferdienst Gorillas, dessen Firmenbewertung innerhalb von nur einem Jahr von null auf eine Milliarde Euro hochgeschossen war, kurz vor einer Fusion mit dem türkischen Konkurrenten Getir stehen – eine Art Notverkauf, weil die Berliner kein frisches Geld auftreiben konnten.

Der eRoller-Verleiher Tier hat 180 Stellen gestrichen. Das sei „eine Reaktion auf das gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzierungsklima“, begründete Tier-Gründer Lawrence Leuschner den Wegfall fast jeder fünften Stelle. Der Finanzdienstleister Solaris hat zehn Prozent seiner Stellen gestrichen und prüft, laut Medienberichten, frisches Geld aufzunehmen – möglicherweise zu einer schlechteren Bewertung.

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Vor allem bei solchen älteren Gründungen, im Szene-Jargon Grown-ups genannt, zögern die Investoren. Klassische Ausstiegsmöglichkeiten wie Börsengänge fallen wegen des schlechten Börsenklimas auf absehbare Zeit aus: 2022 gab es in Europa nur zwei größere Börsengänge solcher Unternehmen – nach 22 im Vorjahr.

Kurzfristig nur wenig Abhilfe bringen wird da auch das Zukunftsfinanzierungsgesetz, das Finanzminister Christian Lindner (FDP) in Kürze zur Erleichterung von Börsengängen ins Kabinett einbringen will.

Im kommenden Jahr könnte es daher weitere tiefe Einschnitte bei Start-ups geben. Es gibt einen Restrukturierungsstau: Nur 1247 angekündigte Jobstreichungen verzeichnet die Studie in den vergangenen zwölf Monaten in Europa. Im Rest der Welt – vor allem den USA – waren es bereits fast 63.000.

Trotz der schlechten Nachrichten: Hervorragende Gründer können weiter auf Investorengeld hoffen – insbesondere, wenn ihre Geschäftsmodelle Aussicht auf schnelle Wirtschaftlichkeit haben.

Holle: „Die Start-up-Welt teilt sich jetzt scharf in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Ein kleiner Teil der Gründer kann sich seine Investoren weiterhin aussuchen, der Rest kämpft mit sinkenden Bewertungen.“

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