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„Bahn-Wandern ist das nächste große Ding“

Die Transsibirische Eisenbahn, der Klassiker unter den Schienenkreuzfahrten, ist seit Russlands Invasion in die Ukraine passé für deutsche Reisende. Veranstalter wie Ameropa schnüren nun neue Angebote für 2023 – in Europa und Afrika. Ein Expertengespräch.
Reiseredakteurin
Mit der Flåmbahn durch Norwegen zu fahren und zwischen den Etappen zu wandern, ist derzeit bei Urlaubern sehr beliebt Mit der Flåmbahn durch Norwegen zu fahren und zwischen den Etappen zu wandern, ist derzeit bei Urlaubern sehr beliebt
Mit der Flåmbahn durch Norwegen zu fahren und zwischen den Etappen zu wandern, ist derzeit bei Urlaubern sehr beliebt
Quelle: pa/blickwinkel/H. Blossey

Derzeit ruht der Flug-, Fähr- und Zugverkehr zwischen Deutschland und Russland. Die Sanktionen der Europäischen Union haben nicht nur Putins Riesenreich isoliert, auch die Mongolei und China sind für Schienenkreuzfahrer nicht mehr via Transsib erreichbar. Welche Alternativen bieten sich abenteuerlustigen Zugreisenden? Wir sprachen mit Andreas Zahn, Manager bei Ameropa Reisen. Der Veranstalter ist neben Lernidee Erlebnisreisen und DNV Touristik ein ausgewiesener Bahn-Spezialist.

WELT: Vieles spricht dafür, dass Transsib-Reisen ab Deutschland für lange Zeit Geschichte sind. Wer sich nun partout nicht damit abfinden will – könnte dieser Jemand zumindest ein Teilstück der transsibirischen Strecke innerhalb Russlands oder zwischen Russland und der Mongolei buchen?

Andreas Zahn: Nein, das ist nicht sinnvoll, schon allein wegen der Frage, wie man überhaupt nach Russland käme. Selbst Fahrten mit der Transmongolischen Eisenbahn, die als Abzweig der Transsibirischen Eisenbahn von Ulan-Ude in Russland über Ulaan Baatar in der Mongolei nach Peking in China führt, bieten wir derzeit nicht an. Wer unbedingt diese Strecke erleben will, kann natürlich nach Ulaan Baatar fliegen und von dort mit der Transmongolischen Eisenbahn nach China fahren.

WELT: Und die Tickets dafür bekommt man bei Ihnen?

Zahn: Wir sind auf Schienenkreuzfahrten spezialisiert, also gecharterte Bahnreisen mit Reiseführer oder Linienzugreisen ohne Reiseleitung, aber mit Übernachtung in Hotels entlang der Strecke sowie diversen Ausflügen. Daher bieten wir keine Tickets für diese Bahnen als Einzelbausteine an. Unser Angebot richtet sich nach der jeweiligen Nachfrage – dazu gehören derzeit weder die Transsibirische noch die Transmongolische Eisenbahn.

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WELT: Manchmal entstehen Nachfragen urplötzlich, etwa, wenn eine Destination oder eine Zugstrecke den Welterbe-Titel bekommt, so wie 2021 die Transiranische Eisenbahn.

Zahn: So schnell geht das nicht, zumal die überraschende Titelvergabe an den Iran in die Pandemiezeit fiel und damals andere Themen in den Medien dominierten. Das ist zwar nur meine Vermutung, sie passt aber zu dem Faktum, dass unsere Kunden Reisen mit der Transiranischen Eisenbahn aktuell nicht nachfragen, weil sie den Schienenstrang, der das Kaspische Meer mit dem Persischen Golf verbindet, offenbar gar nicht auf dem Schirm haben.

WELT: Trotzdem noch eine Frage zu dieser Region: Gibt es Strecken in Israel und im arabischen Raum, etwa in Jordanien, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, die Ihre Kunden zu einer Schienenkreuzfahrt kombinieren können, denn Ameropa bietet ja auch Bausteinreisen an?

Zahn: Mit Kombinationsreisen nach Israel und Jordanien haben wir tatsächlich geliebäugelt, aber uns im vergangenen Jahr – auch wegen Corona – dagegen entschieden. Ich vermute aber, dass diese Ziele in nicht allzu ferner Zeit im Ameropa-Portfolio auftauchen.

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WELT: Wofür interessieren sich Ihre Kunden derzeit?

Zahn: Vor allem für Reisen innerhalb Europas, für die nachhaltige An- und Abreise mit der Deutschen Bahn zu den Start- und Endpunkten und ganz speziell für die Schweiz. Das Alpenland erzielte 2021 im Vergleich zum Vor-Pandemiejahr 2019 ein Buchungsplus von 15 Prozent.

WELT: Trotz des starken Schweizer Franken?

Zahn: Die Schweiz hat ihren Preis, aber sie bietet unglaublich viele beeindruckende Panoramen, hochwertige Produkte und Erlebnisse. Schienenkreuzfahrten gehören zum Luxussegment in der Reisebranche; wer sich dafür interessiert, muss in der Regel nicht auf den Cent schauen. Ob der Venice Simplon-Orient-Express, der Belmond Royal Scotsman, der Al Ándalus oder der El Transcáantábrico Gran Lujo – all diese Zuglegenden bieten ganz besondere „once in a lifetime“-Erlebnisse und sind entsprechend kostspielig.

WELT: Haben Sie auch Angebote für den kleineren Geldbeutel?

Zahn: Was gecharterte Schienenkreuzfahrten angeht, wie die eben von mir genannten Luxuszüge, eher nicht. Preiswerter, weil auf Linienzügen basierend, ist unser neues Produkt Bahn-Wandern. Bei dieser entschleunigten Art des Reisens wandern Urlauber einen Teil der Strecke und steigen zwischen den Touren immer wieder auf die Bahn um.

WELT: Können Sie ein Beispiel nennen?

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Zahn: Zur Adventszeit passt beispielsweise das Angebot Bahn-Wandern im Harz. Die viertägige Reise beinhaltet Fahrten mit der Brockenbahn und der Harzquerbahn, die beide jeweils mit Wanderungen an den Haltepunkten kombinierbar sind. Die Tagestouren beginnen und enden in Wernigerode. Tickets und drei Hotelübernachtungen mit Halbpension für diese Reise kosten ab 325 Euro pro Person.

Die absoluten Topseller im Segment Bahn-Wandern per Linienzug sind allerdings Touren mit den Schweizer Bahnen und mit der norwegischen Bergen- und Flåmbahn. Kunden, die mit uns in Skandinavien eine Bahn-Wandertour gemacht haben, meinten danach, das sei das nächste große Ding.

WELT: Schienenkreuzfahrten kann man nur dort machen, wo auch Schienen liegen. Ist das der Grund, weshalb es für Afrika kaum Angebote gibt, von Rovos Rail in Südafrika mal abgesehen?

Zahn: Ja, das kann man so sagen, aber durch die Bauwut der Chinesen ändert sich vieles gerade, das heißt, etliche afrikanische Länder kann man inzwischen vom Zug aus entdecken. Der Madaraka-Express in Kenia etwa fährt in gut fünf Stunden von Mombasa nach Nairobi und die Tanzania-Zambia-Railway-Gesellschaft bedient die Strecke von Daressalam in Tansania nach Kapiri Mposhi in Sambia. Wildtiersichtungen sind gerade auf dieser Strecke häufig.

WELT: Kann man über Ameropa Tickets für diese Züge kaufen?

Zahn: In Afrika sowie in allen anderen Destinationen bieten wir derzeit keine Option für „nur“ Zugtickets an, eine Ausnahme von dieser Regel gilt lediglich für den Venice-Simplon-Orient-Express. Der Grund dafür ist das Konzept von Ameropa, die Reisen immer mit Hotelübernachtungen und Ausflügen zu kombinieren.

Wer halb Afrika mit unserer Expertise erleben will, kann aber mit dem Rovos Rail von Kapstadt in Südafrika bis Daressalam in Tansania fahren, eine unvergessliche Tour, die über Sambia, Simbabwe und Botsuana führt und einer Safari auf Schienen schon sehr nahekommt. Eine andere Variante ist eine Rovos-Rail-Reise von Angola zu den Victoria Falls. Überhaupt gibt es etliche Touren durch das südliche Afrika, allerdings immer mit Rovos Rail und damit nicht eben günstig.

WELT: Sie betonen das südliche Afrika, im Norden des riesigen Kontinents gibt es nichts Vergleichbares?

Zahn: Im Norden Afrikas haben wir im kommenden Jahr tatsächlich zwei neue Reisen im Programm: Eine geführte Privatreise in Linienzügen der marokkanischen TGVs ab/bis Casablanca mit Stopps in Rabat, Tanger und Fes sowie eine Sonderzug-Reise im Oriental Desert Express, die neben Casablanca, Fes, Tanger und Rabat auch Halte in Marrakesch und Agadir beinhaltet.

Andreas Zahn ist Leiter Sales & Product bei Ameropa Reisen
Andreas Zahn ist Leiter Sales & Product bei Ameropa Reisen
Quelle: Andreas Zahn

WELT: Noch einen Blick nach Übersee, sind Schienenkreuzfahrer dort besser mit dem Linien- oder mit dem Sonderzug unterwegs?

Zahn: Für die Durchquerung Kanadas ist der Rocky Mountaineer das Maß der Dinge – der ist ein reiner Touristenzug. Da auf dieser Strecke ansonsten nur Güterzüge fahren, kann auch nur der Rocky Mountaineer gebucht werden.

In den USA, Mexiko oder auch Kuba ist das zwar anders, soll heißen, dort verkehren wie in Europa viele Linienzüge. In Übersee ist jedoch generell die Ticket-Beschaffung und häufig auch die Abstimmung der Reisezeiten nicht ganz unkompliziert, sodass es sich auf jeden Fall empfiehlt, diese Reisen mit einem erfahrenen Veranstalter zu buchen.

WELT: Was sollten Reisende, die sich für eine Schienenkreuzfahrt interessieren, wissen und beachten?

Zahn: In einigen Luxuszügen gibt es eine gewisse Kleiderordnung, an die sich Mitreisende halten sollten. Tagsüber können Zugreisende zwar meist leger gekleidet sein, abends hingegen ist zumeist formelle Kleidung üblich. Wer also mit einem Luxuszug reist, informiert sich am besten vor der Reise, welche Kleiderordnung im ausgewählten Zug gilt, um so auf Nummer sicher zu gehen.

Ebenfalls nicht unwichtig: Durch die oft schmalen Gänge in den Zügen und die vielen Erkundungstouren vor Ort sind leider beinahe alle Schienenkreuzfahrten für Personen mit eingeschränkter Mobilität nicht empfehlenswert.

Andreas Zahn ist Leiter Sales & Product bei Ameropa Reisen. Der 43-jährige Betriebswirtschaftler war zuvor bei Thomas Cook in der strategischen Portfolio- und Produktentwicklung.

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